Natürliche Klangkulisse in den polaren Meeren

Der stille Ozean unter dem Eis?

Trotz der harschen Lebensbedingungen in den Polarregionen hat sich eine einzigartige Tierwelt an das Leben auf, unter und am Eis eingestellt. Die arktischen Regionen im Norden, vor allem als Königreich des Eisbären bekannt, werden auch von Polarfüchsen und -wölfen, Moschusochsen, Karibus und Schneehasen bewohnt. Zusätzlich ziehen etliche Vogelarten in den Sommermonaten in den Norden zu ihren Brutplätzen [1]. Unter Wasser ist die Geräuschkulisse der Arktis vor allem durch Meeressäuger geprägt, neben den charakteristischen Walen (Narwal, Beluga und Grönlandwal) auch durch verschiedene Robbenarten wie Ringel- und Bartrobbe sowie Walrossen.

Charakteristische Tiere in der weißen Landschaft der Antarktis sind die Pinguine; fünf Arten leben und brüten ausschließlich hier: der Kaiserpinguin, der Zügelpinguin, der Eselspinguin, der Adeliepinguin und der Goldschopfpinguin. Zudem leben dutzende weitere Vogelarten, besonders Sturmvögel und sechs Robbenarten auf dem weißen Kontinent. Ihr Lebensraum begrenzt sich allerdings auf die Küstengebiete der Antarktis, welche eisfrei sind und den Zugang zum Meer und somit zur Nahrung ermöglichen. Zudem kommen in den antarktischen Gewässern verschiedene Walarten vor, darunter Blauwale, Finnwale, Zwergwale, Buckelwale und Schwertwale. Die Wale, Robben und Pinguine sind in der Antarktis besonders geschützt; auch einzelne Tiere dürfen nicht gestört oder verletzt werden [2]. Jeder Besucher des antarktischen Kontinentes braucht daher eine Genehmigung [3].

Image
Pinguin auf einer Scholle vor einem Eisberg
In den extremen Umgebungen der Polargebiete ertönt noch eine außergewöhnliche Geräuschkulisse, die von natürlichen Klängen dominiert wird. | Copyright: Pxfuel (CC0 1.0)

 

In den extremen Welten der Polargebiete, ertönt noch eine einzigartige natürliche Geräuschkulisse, die von der dort lebenden Tierwelt dominiert wird. Neben den bekannten Gesängen der Wale erzeugen auch andere im Wasser lebende Tiere Geräusche, unter anderem Fische und Krebstiere. Hinzukommen berstende Eisschollen, brechende Wellen der rauen See und tosender Donner abspaltender Gletscher. Das Eis prägt die audiovisuelle Landschaft der Arktis und Antarktis entscheidend. Ist das Eis jedoch zu einer festen Decke zugefroren, findet man in der dortigen Unterwasserwelt einen der niedrigsten Umgebungsgeräuschpegel der Weltmeere.

Tiere, die im Nord- und Südpolarmeer leben, sind an die Geräuschkulisse unter Wasser angepasst. Die natürlichen Geräusche verändern sich hier insbesondere durch den Klimawandel – weniger Meereis bedeutet auch, dass dieser Teil der Ozeane lauter wird. Welche Folgen solche Veränderungen in der Geräuschkulisse auf die Tierwelt haben, ist bisher unbekannt.

Audio file
Sattelrobbe (Pagophilus groenlandicus) des Nordpolarmeers| Copyright: Sophie van Parijs (CC BY-SA)
Audio file
Brütende Eselspinguine (Pygoscelis papua) in einer Kolonie | Copyright: Dr. Michaël Beaulieu (CC BY-SA)
Audio file
Weddellrobbe (Leptonychotes weddellii) im antarktischen Meer | Copyright: Helen Rößler (CC BY-SA)
Audio file
Gletscherkalbung in der Antarktis | Copyright: AWI (CC BY-SA)

 

[1] Meltofte, H, Barry, T, Berteaux, D, Bültmann, H, Christiansen, JS, Cook, JA... and Wrona, FJ (2013). "Arctic Biodiversity Assessment. Status and trends in Arctic biodiversity." Conservation of Arctic Flora and Fauna (CAFF), Akureyri, S. 78–141. ISBN 978-9935-431-22-6.

[2] Chown, LS, Clarke, A, Fraser, CI, Cary, SC, Moon, K, McGeoch, MA (2015). "The changing form of Antarctic biodiversity." Nature 522(7557): 431-8. DOI: 10.1038/nature14505.

[3] https://www.umweltbundesamt.de/themen/nachhaltigkeit-strategien-internationales/antarktis/antarktisreisende