Was ist Lärm?

Am besten ist der Begriff Lärm für Menschen definiert, aber die für Menschen gemachten Definitionen lassen sich auch auf Tiere übertragen.

Lärm ist jede Art von Schall, der stört, belästigt oder die Gesundheit beeinträchtigen kann. (World Health Organisation, 1972)

Die Entstehung von Geräuschen durch Schwingungen, die sich als Schallwellen ausbreiten, ermöglicht es Tieren, etwas zu hören. Sobald ein Geräusch als störend empfunden wird, spricht man bei Menschen von Lärm. Dabei spielen neben den akustischen Geräuschmerkmalen viele Einflussfaktoren eine Rolle, zum Beispiel der Ort und Zeitpunkt, aber auch die individuelle Geräuschempfindlichkeit. Fest steht: mit steigender Lautstärke und bei bestimmten Frequenzen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Geräusch als unangenehm wahrgenommen wird [1].

Für Meerestiere haben sich Forscher, Umwelt- und Naturschützer für die europäische Meeresstrategierahmenrichtlinie auf die folgende Definition geeinigt:

Unter dem Begriff "Lärm" versteht man Geräusche, die das Potenzial haben, negative Auswirkungen auf die Meereslebewelt zu verursachen; der Begriff "Geräusch" bezieht sich auf die akustische Energie, ohne besonderen Bezug auf ihre Funktion oder potenzielle Wirkung [2].

Beim Menschen kann sich Lärm negativ auf die Gesundheit, das subjektive Wohlbefinden und die Lebensqualität auswirken. Aber auch Tiere können durch Schallemissionen deutlich beeinträchtigt werden. Je nach Dauer der Schallemission wird zwischen kontinuierlichem Lärm, intermittierendem Lärm und Impulslärm unterschieden. Schiffslärm oder Baggerarbeiten auf See sind typische Beispiele für kontinuierlichen Lärm. Rammungen von Fundamenten für Offshore-Windenergieanlagen oder Explosionen sind impulsive Schallquellen. Intermittierender Lärm entsteht dann, wenn sich impulsive Geräusche über weite Entfernungen durch die Schallübertragung verändern oder wenn sich verschiedene impulsive und kontinuierliche Geräusche überlagern [3].

Das zwanzigste Jahrhundert ist unter anderem das Zeitalter des Lärms. (Aldous Huxley, 1894-1963)

Image
Flugzeug Landung
Lärm wird subjektiv wahrgenommen. Mit steigender Lautstärke steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Geräusch als unangenehm empfunden wird. | Copyright: Pxfuel (CC0 1.0)

Während des Industriezeitalters galt menschgemachter Lärm noch als Ausdruck des technischen Fortschritts. Das Stampfen der Maschinen und Heulen der Motoren wurden keineswegs nur als Plage wahrgenommen. Erst im Rahmen der Umweltbewegung rückten auch die akustischen Probleme der Industrialisierung und Technisierung ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Seit ca. 1980 wird Lärm als einer der wichtigsten Stressoren für Menschen wahrgenommen. Zusätzlich dazu, dass Lärm zu einer Verletzung der Hörorgane (Taubheit, Schwerhörigkeit) führen kann, zeigen Untersuchungen, dass Lärm als chronischer Stress zu Veränderungen des Hormonhaushaltes führt und krank macht. Analysen nach WHO-Standards zeigen, dass allein in Deutschland jährlich 177.000 gesunde Lebensjahre lärmbedingt durch Straßenverkehrslärm verloren gehen [4]. Obwohl Wissenschaftler seit fast 20 Jahren warnen, dass der menschgemachte Anstieg des Lärms in den Meeren zu noch nicht absehbaren Problemen führt, wird das Thema bisher in der Öffentlichkeit kaum diskutiert. Hauptursache des Anstiegs des Lärms in den Weltmeeren ist die Schifffahrt [5] , aber fast alle anderen Nutzungsformen der Meere durch den Menschen sind ebenfalls von Lärmemissionen begleitet.

[1] https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/laermwirkungen#gehorschaden-und-stressreaktionen

[1] Van der Graaf AJ, Ainslie MA, André M, Brensing K, Dalen J, Dekeling RPA, Robinson S, Tasker ML, Thomsen F and Werner S (2012). "European Marine Strategy Framework Directive - Good Environmental Status (MSFD GES): Report of the Technical Subgroup on Underwater noise and other forms of energy." 

[3] https://www.bmu.de/themen/luft-laerm-verkehr/laermschutz/laermschutz-im-ueberblick/was-ist-laerm/

[4] Tobollik, M, Hintzsche, M, Wothge, J, Myck, T and Plass, D (2019). "Burden of Disease Due to Traffic Noise in Germany." International Journal of Environmental Research and Public Health 16(13): 2304. DOI: 10.3390/ijerph16132304.

[5] Hildebrand, JA (2009). "Anthropogenic and natural sources of ambient noise in the ocean." Marine Ecology Progress Series 395: 5-20. DOI: 10.3354/meps08353.