Wie können Lärmbelastungen minimiert werden?

Anthropogener Unterwasserschall ist eine ernsthafte Gefahr für zahlreiche Meerestierarten und -populationen. Lärm ist als Form der Umweltverschmutzung bereits anerkannt, aber es gibt bisher keine verbindlichen internationalen Gesetze, welche die Erzeugung und Höchstgrenzen von Lärm in der Meeresumwelt regulieren [1]. Trotzdem stehen bereits heute Ansätze zur Verfügung, um den menschgemachten Lärm in den Meeren zu reduzieren.

Politische Lösungen

Da Schall an keiner Grenze haltmacht, erfordert es internationale Zusammenarbeit, um eine globale Strategie zur Lärmkontrolle zu entwickeln. Nur so kann der anthropogene Lärmeintrag dauerhaft reduziert und die Schäden für die marine Tierwelt so gering wie möglich gehalten werden [2]. Das Ausweisen von Schutzgebieten mit einem Verbot lärmintensiver Aktivitäten und die Regulierung des Schiffsverkehrs können ein erster Schritt sein [3]. Um die Meeresnutzung gleichzeitig zu ermöglichen, sind jedoch weitere Überlegungen und Regulierungen notwendig.

In Europa soll durch die Meeresschutzrahmenrichtlinie (MSRL) der gute Umweltzustand für die Meere erreicht werden. Im Deskriptor 11 wird gemeinschaftlich an Lösungen gearbeitet, um das Problem Unterwasserlärm anzugehen. Obwohl diese Prozesse noch nicht endgültig etabliert sind, sind bereits heute entscheidende Schritte wenigstens teilweise oder in einzelnen Ländern getan. Derzeit werden die folgenden Themen vorangetrieben:

  • Die Etablierung europaweiter Grenzwerte für Schallemissionen
  • Die Schaffung eines Katasters für Schallquellen, so dass Eingriffe besser bewertet werden können
  • Die Abstimmung einer dauerhaften Überwachung des Schalls im Meer

Auch die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO – International Maritime Organization) arbeitet daran, Schiffe leiser zu machen. Während hier der Schutz des Menschen auf den Schiffen vor Lärm zuerst im Vordergrund stand, arbeitet man heute daran, auch den Unterwasserlärm zu reduzieren. Vorbild könnten U-Boote sein, die aus anderen Gründen schon immer „leise“ gebaut wurden.

Deutschland hat als erstes Land in Europa Grenzwerte für Unterwasserlärm etabliert für Rammschall bei Windkraftanlagen auf See: Bei den Rammarbeiten darf in 750 m von dem Pfahl ein maximaler Lärmpegel von 160 dB re 1 µPa²s (Schallexpositionspegel) und 190 dB re 1µPa (Spitzenschalldruckpegel) nicht überschritten werden. Durch diese konkreten Grenzwerte wurden erfolgreich Verfahren etabliert, die effektiv Rammschall mindern können.

Technische Lösungen

Zur Minimierung anthropogener Schallemissionen gibt es bereits eine Vielzahl technischer Ansätze. Beim Bau von Offshore-Windparkanlagen werden effektive Schallreduktionen durch Schutzmaßnahmen, wie z.B. dem Blasenschleier erreicht. Dabei werden die Fundamente während der Rammarbeiten mit einem perforierten Schlauch eingekreist, durch den Luftblasen aufsteigen und eine ringförmige Blasenwand erzeugen. Die Schallausbreitung wird dadurch reduziert und die Schallquelle wird abgedämmt. Mit dieser Technik kann der Schallpegel um bis zu 14 dB gesenkt und die Lautstärke um über 90% reduziert werden [4]. Die deutschen Grenzwerte können damit eingehalten werden.

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Rammarbeiten ohne Blasenschleier (Distanz 16 km) | Copyright: Dr. Michael Dähne (CC BY-SA)
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Rammarbeiten mit Blasenschleier (Distanz 16 km) | Copyright: Dr. Michael Dähne (CC BY-SA)

Auch Schiffe können durch technische Änderungen, z.B. einen leiseren Antrieb oder langsameres Fahren, ihre Schallemissionen deutlich verringern. Die Propeller von U-Booten oder Marineschiffen sind bereits so gebaut, dass sie weniger Lärm erzeugen als Handelsschiffe [5].

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Schiffspropeller in Betrieb
Schiffe können durch technische Anpassungen ihre Schallemissionen deutlich verringern. | Copyright: Pxfuel (CC0 1.0)


Darüber hinaus gibt es bereits weitere alternative Techniken zur Lärmreduktion, z.B. bei seismischen Untersuchungen. Dort wird daran gearbeitet, die Technik der marinen Vibroseismik, die an Land regelmäßig zum Einsatz kommt, für den Einsatz im Meer weiter zu entwickeln. "Marine Vibroseis Systeme" erzeugen viel niedrigere Spitzenschallpegel als herkömmliche Airguns und können gezielt Emissionen in nicht gebrauchten Frequenzen vermeiden [6].

[1] Ocean Care (2014). "Im Lärm ertrinken  -  Aufruf für internationale Massnahmen zum Schutz der Meeresfauna." veröffentlicht im Schattenblick, Umwelt, Internationales, Meer/119. 

[2] https://www.oceancare.org/de/unsere-arbeit/meeresschutz/unterwasserlarm/silent-oceans-12-punkte-plan/

[3] https://www.bfn.de/themen/meeresnaturschutz/belastungen-im-meer/unterwasserschall/minimierung.html

[4] Lucke K, Lepper PA, Blanchet MA and Siebert U (2011). "The use of an air bubble curtain to reduce the received sound levels for harbour porpoises (Phocoena phocoena)." The Journal of the Acoustical Society of America 130(5): 3406-12. DOI: 10.1121/1.3626123.

[5] https://clearseas.org/en/underwater-noise/

[6] Merchant, ND (2019). "Underwater noise abatement: economic factors and policy options." Environmental Science & Policy 92: 116-123. DOI: 10.1016/j.envsci.2018.11.014.