Lockdown im Marine Science Center - Tierversorgung vor Forschungsarbeit

Gespeichert von Ulrike Buschewski am Mo., 31.08.2020 - 13:10
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Die vier Humboldtpinguine im Marine Science Center.

Als Mitte März der Lockdown kam, musste - wie auch schon vom Odense Zoo berichtet - auch das Marine Science Center (MSC) in Rostock Hohe-Düne für den Besucherverkehr schließen. Durch das Hygienekonzept der Universität Rostock arbeiteten die Mitarbeiter in mehreren Teams und mussten vor Ort ihre Forschungsarbeit reduzieren, da sie sich vor allem um die Versorgung der Tiere und der Instandhaltung der Anlage kümmern mussten. Doktorandin Tabea Lange trainiert dort 4 Humboldtpinguine, um deren Hörvermögen unter Wasser zu untersuchen. Sie berichtet wie sie mit den Einschränkungen der letzten Monate arbeitete.

Tierversorgung während des Lockdowns

Ab Mitte März bis 1. Juli haben wir im Schichtdienst als Notfallteams (feste 2er Teams) die Tiere versorgt. Mehr war auch tatsächlich lange Zeit von seitens der Uni nicht erlaubt. Um die Gesundheit von Mensch und Tier (es ist zwar unklar ob ganz speziell jetzt Corona auf Meerestiere übertragen werden kann, aber Menschen können durchaus Krankheiten auf Robben & Co. übertragen, daher kann man es nicht ausschließen) zu schützen haben wir dabei außer zum direkten Teampartner, keinen Kontakt zu anderen Mitarbeitern gehabt, außerdem haben wir auf die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln verzichtet.

Praktisch sah es so aus, dass jedes Team ca. 2 bis 3 halbe Tage die Woche eingeteilt war. Die Versorgung der 12 Robben und 4 Pinguine beinhaltet dabei leider nicht nur Fütterung und Training, sondern der Großteil der Zeit ist tatsächlich mit Instandhaltung der Anlage verbracht: Putzen der Außenanlage (allein bei den Pinguinen benötigt man dafür pro Tag 1,5 bis 2 h), Reparaturen um Tiersicherheit zu gewährleisten und Putzen der Fischküche (da wir eine Forschungseinrichtung sind, haben wir auch zu Normalzeiten strengere Auflagen was Hygiene in Fischküche und Tierbereich angeht, als eine normale Tierhaltung). Dann müssen je nach Jahreszeit 30 bis 60 kg Fisch vorbereitet und geschnitten werden. Zusätzlich zum Füttern im Rahmen von Training sind wir auch für die Gesundheit der Tiere verantwortlich, angefangen mit Zahnreinigung und -hygiene und einige Tiere, gerade die älteren Seehunde, benötigen noch zusätzliche Aufmerksamkeit und auch zeitaufwändige Behandlungen mit Antibiotika.

Daher waren diese Monate tatsächlich fast ausschließlich auf Tierversorgung beschränkt - ohne Forschungsbetrieb, da mehr zeitlich nicht möglich war. Entsprechend fand auch nur minimales Pinguintraining statt, vor allem da ich persönlich von 21 Fütterungen in der Woche nur 4 bis 6 durchführen konnte.

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Tabea krault den Humboldtpinguin Otto
Trotz wenig Zeit ist es ganz wichtig zwischendurch mal 5 Minuten in Gemeinschaft mit den Tieren zu verbringen, da sie sehr sozial sind und gerne mit uns abhängen. Otto ist ganz besonders kuschelbedürftig.

Öffnung mit Einschränkungen

Das MSC als Firma hat seit 1. Juli wieder für Besucher offen, aber in eingeschränkter Form (Buchung für Eintritt und Tiere kennenlernen nur im Vorfeld online, maximal 10 Leute pro Stunde, kleine Gruppen zu den Tieren und dann mit Mundschutz und ohne direkten Tierkontakt). Prinzipiell ist das Gelände der Uni immer noch so ziemlich für Nicht-Mitarbeiter gesperrt, soweit ich weiß, und es gibt Regeln, dass pro Büro nur eine Person arbeiten darf und Mundschutz und kein Teilen der Laborplätze. Bei uns ist das natürlich extrem schwer einzuhalten, da wir alle die kleine Fischküche nutzen und kleine Gemeinschaftsbüros gibt. Wir arbeiten daher immer noch an unterschiedlichen Tagen in kleinen Teams, ohne Kontakt mit dem anderen Team.

Mit der Eröffnung arbeiten wir als 2 isolierte Teams (je 4 Mitarbeiter pro Team), da der Arbeitsaufwand durch die Anwesenheit der Besucher und die Umsetzung von Tierangeboten enorm gestiegen ist. So bin ich jetzt eine Woche 3 von 7 Tagen und in der nächsten Woche 4 von 7 Tagen bei den Tieren. Viel mehr Zeit für anspruchsvolles Training aller Tiere ist dabei leider auch immer noch nicht möglich. Aktuell [Mitte Juli] bereiten sich die Pinguine auf die Mauser vor, der Fischkonsum ist die Tage gerade doppelt so hoch, einzelne Tiere essen mit 4,3 kg Körpergewicht dabei knapp 1 kg Sprotten am Tag. Wir erwarten, dass sie innerhalb einer Woche anfangen zu Mausern. Damit wir das Training sowieso auf unvorhersehbare Zeit komplett zum Erliegen kommen, da die Erfahrung des letzten Jahres gezeigt hat, dass sie 3 - 5 Sprotten pro Tag fressen und in Ruhe gelassen werden wollen.

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Sprotten und Hering als Fischtorte auf Eis
Zwischen Ende Mai und Anfang Juli hatten alle vier Pinguine ihren 2. bzw 3. Geburtstag, das haben wir mit einer Fischtorte gefeiert.